Buch

1 Jahr 50 – ein Buch für Menschen, die Freiheit als `Trieb´ empfinden und bereit sind, sich auch Herausforderungen an den `gesunden Menschenverstand´ und unsere ´konventionellen Glücksvorstellungen´ nicht zu verschließen:

Der Mensch ist ein ewig Werdender!
Sein Wesen ist Fühlen, nichts anderes!
Denken allein kulturelles Handwerkszeug!
Bewusstsein ein spezifischer Wahrnehmungsmodus!
Die Absicht des Ganzen: das bessere Leben!
Die derzeitigen Perspektiven:
Selbstvergottung und Transformation!
Das damit verbundene universale und kategoriale Geschehen unserer menschwerdenen Existenz: Freiheit!

Diesem Ansatz folgen heißt, sich in die Lage zu versetzen, das Leben als absolute Handlungsoption und Dasein als Ethik und Ästhetik zur Freiheit zu (be)greifen.
Das nie endende Abenteuer Menschwerden – das stets individuell und persönlich und niemals subjektiv und beliebig ist – beginnt mit jedem Weg zum Besseren; und es beginnt hier und immer!

Die Buchreihe „1 Jahr 50, Jahrbuch für freiDenker
erhalten Sie im Verlag Traugott Bautz
ISBN: 978-3-88309-984-2

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Vorwort Band 1

Februar 2014, Robert Smajgert

Ich mache mir nicht das Geringste aus Geburtstagen, am wenigsten aus meinen eigenen, obwohl ich finde, dass er womöglich der bezauberndste Tag ist, um, zum einen, auf diese Erde zu finden und, zum anderen, auch jährlich dieser Niederkunft mit Freude zu gedenken. Der 14. Februar, Valentinstag, verspricht zumindest einen erhöhten Anteil positiver, liebender Energie in der Atmosphäre auf diesem häufig so rauen Planeten, und daher kommt es mir nicht selten so vor, dass, wenn es diesen Tag nicht gäbe, ich wohl auch keinen Grund gehabt hätte zu kommen und alle Lebensjahre infolge auch nur unter die Rubrik `stumpfer bis angeregter Stoffwechsel´ zu führen wären. Gott sei Dank gibt es die Liebe aber, und auch damit einen triftigen Grund zu leben.

Trotzdem kein Grund, seinen Geburtstag zu feiern. Ich persönlich habe Geburtstagsfeiern lange Zeit ausschließlich als tiefste Missverständnisse tragischer Existenzen betrachtet, präsentierten sie sich mir doch in erster Linie als Produkte einer gesellschaftlichen Gängelung sowie als stilles Bündnis mit der Vergänglichkeit. Beide lehnte ich aber vehement ab. Auf Regeln, die von anderen einfach so gemacht werden, und Tod, der einfach so akzeptiert wird, hatte ich nie Bock. Sie waren demnach als Feinde meiner individuellen Entfaltung eingestuft und gebrandmarkt, jeder Geburtstag ein quasi reaktionäres, Aufklärung unterschlagendes Ereignis der unbewussten Hingabe an die imaginäre Ruhe innerhalb ständig herrschender Stürme. Derart ein kognitiver Blindflug, der darüber hinwegtäuscht, dass jeder von uns in jeder Sekunde emotional neu geboren wird und die Aufforderung übersieht, Leben jeden Tag in seinem Handeln neu zu gestalten, statt es als etwas Gegebenes, Festes und Unumstößliches zuzubringen. Und alles stets mit der Gefahr versehen, scheitern zu können und so radikal verändert zu werden, dass eine Kontinuität des Handelnden nicht garantiert, wahrscheinlich sogar unmöglich ist, weshalb wir zum Ende unseres Daseins meist eben ganz andere sind als zu Beginn. Wer soll da bitte also Geburtstag feiern, wenn die körperliche Erscheinung längst von einem anderen Wesen – mit anderen Auffassungen, Meinungen, Vorstellungen, Empfindungen, Erfahrungen – besetzt wird, das vielleicht im letzten Jahr noch gar nicht da war?

Ich möchte bei allen Ablehnungsbekundungen gegenüber dem Geburtstagsfeiern, die ich hier so von mir gebe, aber nicht den Eindruck erwecken, dass ich ein feiermüder oder auch nur – fortwährend – misanthropisch veranlagter Charakter bin. Wer mich kennt, weiß, dass ich alle Attribute eines Partylöwen an mir trage beziehungsweise trug, weil die Ökonomie der Zeiteinteilung und die Ausrichtung der Interessen halt Prioritäten abringen. Aber grundsätzlich galt: als Erster auf die Tanzfläche, als Letzter wieder runter. Wo habe ich nicht überall den Partymotor angeschmissen und für Ausgelassenheit und Stimmung gesorgt mit Aktionen, Ideen, Kommunikation und Bewegung. Gerade meine expressive tänzerische Bewegung war Ausdruck von Lebensstil, religiöser Gruppenakt, narzisstische Präsentationsfolie und sportliche Betätigung in einem. Ich habe es geliebt. Auch ohne Hang zu Drogen aller Art, fühlte ich mich nicht selten als personifizierter Bacchus, als lebendes dionysisches Prinzip, war berauscht durch Klang, Rhythmus und Melodie, fand meinen Körper auf den Wogen ekstatischer Befreiungsbewegungen, die der Schwerkraft zu trotzen suchten, wobei mein Geist verstehen lernte, das alles Sprache an uns ist und Begegnung sucht. Feiern geht also, sogar sehr gut, nur Geburtstage zu würdigen – das Gefühl, darin schon einen hinreichenden Grund zum Feiern zu finden, stellte sich bislang nicht wirklich ein.

Anlass genug den eigenen Geburtstag, selbst wenn es der 50igste ist, nicht weiter zu beachten – eigentlich. Während eigene Gewohnheit und Anspruch noch die neugierigen Erwartungen von Freunden und Bekannten auf eine möglichst außergewöhnliche Feier relativ nüchtern und unempathisch glattbügelten, stellte sich ziemlich kurzfristig aber intuitiv ein sehr starkes Gefühl ein, diese vermeintliche LebensMitte einer menschwerdenden Existenz zum Aufhänger für ein Buchprojekt zu machen. Nicht um des Buchschreibens willen, sondern als philosophisch-künstlerisches Lebensdokument.

Als Blick auf das alltäglich Tägliche eines denkenden Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, der – im Rückblick auf sein Leben und im Vorblick auf sein Sterben – immer nur eines wollte: Liebe und Erkenntnis. Die kritische Selbstreflexion, ob sich damit nun eventuell ein netter Grund gefunden hat für eine selbstverliebte Egopräsentation, fand in mir dabei keinen Widerhall. Nein, ich kann Öffentlichkeit wohl ertragen, aber ich brauche sie nicht. Ich habe frühzeitig gelernt, wie viel gefährlicher es ist, sich öffentlich zu machen, als sich im Stillen den Weg zu ebnen, der die Erfüllung des eigenen Glücks verspricht. Damit spielt Berühmtheit keine Rolle, auch wenn ich sehe, mit welcher Lust sich 9 von 10 Menschen in den Sog der öffentlichen Erscheinung ziehen lassen, um für 5 Minuten im kollektiven Gedächtnis aufzuflammen und darin schließlich zu verglühen. Offen gesprochen, und man verzeihe mir diese rüde Ausdrucksweise: Ich scheiße drauf!

Was sich hier als Idee Bahn bricht, ist, sich in die Pflicht der so identifizierten selbst errungenen Mündigkeit zu nehmen, und damit Individualität darstellend, zu selbiger anzuregen. Denn parallel zum Freitanzen erfahre ich mein Leben als Grundkonstante des Freidenkens – des freien Denkens, um sich f r e i zu denken. Für die Perspektive der Zubringer eine wenig Befriedigung versprechende Eigenschaft, aus der Sicht der Gestaltungsgenötigten, bei aller Variabilität der damit verbundenen Bedeutungsgehalte allerdings die einzig mögliche. Wer dieses Jahrbuch daher im Wesentlichen als ein konstruiertes, abstraktes und intellektuelles Kompendium mit Beiträgen zu geisteswissenschaftlichen Begriffen und Forschungsthematiken beschreiben möchte, täuscht sich, wenn er übersieht, dass es absolut authentisch ist.

Was hier aufgeschrieben ist, bewegt mich unentwegt, erfüllt mich, ringt nach Lösungen und feiert seine Erfolge, steht mir so nah wie meine Kinder – die ich in Liebe an mein Herz drücke, und von denen ich verstehe, dass sie (auch) mein Fleisch, mein Blut, meine geistige Disposition sind – zirkuliert in meinen Adern und in meinem Atem. Wie es aber geschrieben ist, ist nicht absichtlichem Jargon, gekünstelter Schriftdarstellung oder wissenschaftlichen Fachtermini geschuldet, sondern lebendiger Ausdruck meiner persönlichen Sprach- und Denkwelt. In der Tat, ich spreche und denke auch in der Realität so, wie es hier nachzulesen ist; in meinen Augen: zielführend abstrakt, assoziationsstark, wissensreich, fantasievoll, vor allem hochgradig empathisch und natürlich auch als Kind einer Zeit. Dabei mache ich keinen Hehl daraus, dass ich mich nur wenig mit der zeitgemäßen Wissenschaftsliturgie eines Subjektivismus geschädigten `Ich weiß, dass ich nicht(s) weiß´ identifizieren kann. Für mich gilt: Ich weiß, was ich weiß; weiß, warum ich es weiß; und weiß, was ich niemals wissen kann! Überhaupt: diese reumütige Verneigung vor dem eigenen Unverstand schmerzt, vor allem wenn sie Tor und Tür für jeglichen Unsinn, und noch schlimmer, für Unfreiheit – zu der auch die Unmündigkeit zählt – öffnet. Ich erlaube mir diese deutlichen Worte, weil ich es unerträglich finde, dass jeder von uns meint, mit Wissen umgehen zu dürfen, ohne in der Lage zu sein, die Grundlagen dazu erfasst zu haben. Dass dies aber möglich ist, erfahre ich an mir nach 30 Jahren Erkenntnisstreben unentwegt, ohne es für ein besonderes religiöses Erleuchtungsereignis, göttliche Gnade, elfenbeinturmartige Intellektverkrustung oder redundante Mittelgefangenschaft zu halten, auch wenn sich Vielen die Nackenhaare dabei aufrichten. Sehr deutlich zeigt mir meine Umgebung dabei in Reaktion auf meine Darstellungen, dass es schon etwas Außergewöhnliches und Befremdliches ist, wenn man statt des Verstandes eher die Natur der Emotionen in den Mittelpunkt des menschlichen ExistenzGeschehens rückt. Ja, Emotionen! – Eigentlich geht es in diesem Jahrbuch um nichts anderes als Emotionen; gar nicht so sehr um Denken. Letzteres ist nur ein zeitgemäßes Werkzeug, um Ersteres zu prägen. Deshalb sind alle Textteile auch eher nur zentrale Gefühlsbildner, als Ausdruck und Anspruch der eigenen Individualität, die sich im Geschehen Wirklichkeit schafft, und das Wissen mit sich trägt, dass jede Begegnung, die dieses Fühlen anstößt und gestattet, wahres Leben ist, selbst wenn sie sich an dieser Stelle auf Zeichensprache begrenzt und unterschiedliche Meinungen bestehen bleiben. Neben meiner `aufgetürmten´ Sprache, die sich in ihren theoretischen Abstraktionen als gelungenere Praxis begreift, sollen daher eigene Fotos als Momentaufnahmen des Tages diesem Anspruch Rechnung tragen. Die Bildimpressionen meiner Tageserfahrungen behandeln dabei ein `Außen´ und ein `Innen´, zeigen das Motiv des Tages und das Portrait des Tages. Sowenig ich Geburtstage mag, so wenig habe ich mich bislang für die Fotografie begeistert.

Ich habe sie weitestgehend immer als Einengung und Enteignung meines persönlichen Wahrnehmungshorizontes und somit als unlebendigen Fremdkörper empfunden und hege bis heute größte Bedenken, ob Fotografie im Eigentlichen überhaupt jemals als Kunst und nicht ausschließlich nur als Handwerk angesehen werden sollte. In diese Richtung empfinde ich mich daher grundsätzlich als Ikonoklast, mit der Einschränkung, dass ich mich mit Verzicht begnüge und Verbot vermeide. Allerdings möchte ich der allgemeinen, sinnlichen Wahrnehmungsgewohnheit in dieser Publikation Nahrung geben, und daher nicht auf Bildmaterial verzichten, da es das Erscheinungsbild dieser Publikation wesentlich beweglicher und zeitgemäßer gestaltet, das LesenGucken erleichtert und hilft das Alltägliche täglich etwas Lebensnäher zu dokumentieren.

Die gleiche Intention verfolgen die Filmischen `moods of the day´, die als separate Bildimpressionen ausschließlich über die zum Buch gehörige Homepage im Internet zugänglich sind. Als `1 Minute 50´, stellen sie fast ein eigenes Projekt dar, das die emotionale Darstellungsdimension der Tagesaufbereitung unterstützt.

Darüber hinaus sollen im Buch ausgewählte TagesSchlagzeilen internationaler Medien, Gedanken zu Kommunikation und Intention anregen.

Als Jahrbuch für freiDenker stellt 1Jahr50 eine täglich spontan erwachsene Sammlung von Text- und Bildbeiträgen dar. Dabei ist es durch selbst auferlegte Begrenzungen strukturiert: circa eine Seite schreiben; dafür nicht mehr als etwa eine Stunde brauchen; ein Portrait; ein fotografisches Tagesmotiv; eine filmische Tagesstimmung; eine internationale Tagesschlagzeile. Keine großartigen Korrekturen und Umstellungen, sondern Beibehalt der einmal ausgebreiteten Inhalte als Dokumente des Momentes. Das selbst auferlegte fotografische Objektsein begreift sich als Ansprache durch Abbild und fokussiert absolute Individuisierungs-Intention als ethische Handlungsherausforderung.

Was immer dieses Dokument eines so verstandenen frei-denkenden Lebens abfordert oder als Eindruck hinterlässt, sein Wunsch ist es, Horizonte zu weiten, Mut zu machen und Glücksbefähigung zu steigern – die des Autors, aber auch die des Lesers. Wo immer daher konträre, negative Empfindungen erzeugt werden, sei daran gedacht, dass ich es eigentlich gut meine! – Eigentlich!